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Freiheit als Geschenk, das frei macht, Kindern Geborgenheit zu geben

 

Abschlussfeier der Fachakademie für Sozialpädagogik / 43 Erzieherinnen und Erzieher feiern in der Kirche St. Nikola das Ende ihrer Berufsausbildung

 

 

43 Erzieherinnen und Erzieher der Fachakademie für Sozialpädagogik (FAKS) haben in der Universitätskirche St. Nikola unter dem Motto „Abschiede sind Tore in neue Welten“ das Ende ihrer Berufsausbildung gefeiert. Die 26 Studierenden der dreijährigen Ausbildung aus der Abschlussklasse F3 und die 17 Absolventen der dreijährigen Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen „OptiPrax“ aus der Klasse 03 erhielten noch keine Abschlusszeugnisse, da ihre Ausbildung offiziell erst zum 31. August endet. 

 

FakS PA Klasse F3 SJ 2019-20

Absolventen F3: Abschiede sind Tore in neue Welten: Unter diesem Motto haben die Absolventinnen und der Absolvent der Fachakademie für Sozialpädagogik unter der Leitung von Schwester Maria-Franziska Meier (hinten 2.v.r.) und mit F3-Klassenlehrerin Walburga Schwitz (hinten rechts) ihren Abschluss gefeiert.

 

Die Absolventen erreichten eine Wegstrecke, die für sie wichtig ist, sagte Diakon Stefan Zauner beim Abschlussgottesdienst. Sie gingen in einen neuen Lebensabschnitt. Am Anfang des Schuljahrs sei nicht vorstellbar gewesen, den Abschluss unter diesen coronabedingten Umständen zu feiern. Es sei aber auch nicht vorstellbar, einfach sang- und klanglos aufzuhören.

 

Absolvent Dominik Wiesmann erzählte, welch wichtige Dinge er für die Reise in den neuen Lebensabschnitt in seinen Rucksack packe. Nicht nur Landkarte und Kompass habe er im Gepäck, um das Ziel zu finden und dorthin zu gelangen, auch eine Bibel, um sich an Jesus zu erinnern. In den letzten drei oder fünf Jahren sammelten die Studierenden viele Erfahrungen. Nun würden sie hinausgehen und ihr Wissen in die Tat umzusetzen. Sie gingen nicht allein, blieben als Schulgemeinschaft miteinander verbunden und würden von Freunden, Familie und auch Gott begleitet. Sie gäben ihren Teil in den Rucksack, dürften mit ihrer Persönlichkeit nun Menschen prägen sowie Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen Wegbegleiter sein.

 

FakS PA Klasse O3 SJ 19-20

Absolventen O3: Die neue Freiheit für sich und die anvertrauten Kinder nutzen: Auch die frisch gebackenen Erzieherinnen und Erzieher der Klasse O3 der Fachakademie für Sozialpädagogik freuen sich mit stellvertretender Schulleiterin Gertraud Fuchsberger-Zirbs (hinten links) über ihren erfolgreichen Abschluss.             

 

Stellvertretende Schulleiterin Gertraud Fuchsberger-Zirbs rief den Start der Corona -Maßnahmen, der einschneidensten Grundrechtsbeschränkungen in der Geschichte der BRD, am 12. März 2020 in Erinnerung., Als größte Zumutung empfanden viele die Einschränkung der Freiheit. Sie gab den Absolventen persönliche Gedanken zum Begriff „Freiheit“ mit auf den Weg, die sie anhand  historischer Texte aus dem 16., 18. und 20. Jahrhundert aufzeigte, um seine Bedeutung für das Leben darzulegen. Sie erläuterte den Freiheitsgedanken in Martin Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ von 1520, Friedrich Hölderlins „Hymnus an die Freiheit“ von 1790 und in einem Flugblatt der „Weißen Rose“ aus dem Jahr 1943 gegen den NS-Terror.

 

Der Blick in die Geschichte relativiere die Frage nach den aktuellen Freiheitseinschränkungen, sagte Fuchsberger-Zirbs. Luther zeige den Wert der Gewissensentscheidung und des Freiseins von religiösem Leistungsdruck.  Hölderlins Hymnus feiere die französische Revolution angesichts der absolutistischen Herrschaft in Deutschland und verdeutliche, dass Freiheit immer auch etwas mit der Form der künstlerischen Gestaltung zu tun hat. Der Kampf der „Weißen Rose“ verweise darauf, dass Freiheit zu den höchsten Gütern des Zusammenlebens werde, wenn sich einige ihrer bemächtigen, um sie dem Einzelnen unter einer „höheren Idee“ zu verweigern.

 

Auch die Absolventen feierten ihre neue Freiheit, sagte Fuchsberger-Zirbs. Ab September übernähmen viele von ihnen Leitungsaufgaben und erhielten damit  Freiheiten, um eigene Ideen umzusetzen und zu gestalten. Sie riet ihnen, Freiheit als Geschenk zu sehen, das sie frei mache, um den anvertrauten Kindern und Jugendlichen Geborgenheit und Struktur zu geben, um ihnen die Freiheit zu lassen, sich zu entwickeln und das Beste aus sich herauszuholen.

 

Sie legte den jungen Leuten zudem ans Herz, Freiheit als Ergebnis eigener Anstrengung zu betrachten, Kindern ästhetische Erziehung zu vermitteln, die Friedrich Schiller zufolge Voraussetzung dafür sei, dass sich der Charakter des Menschen „veredelt“, dass sich Vernunft und Freiheit von alleine entwickeln, der Mensch frei werde zum eigenständigen Denken durch die Beschäftigung mit Dingen. Als Erzieher und Kita-Leiter könnten sie junge Menschen für die Schönheit der Künste, der Sprache und Literatur, der Musik, der Natur und Kultur sensibilisieren. Je mehr Erfahrung die Anvertrauten hier machten, desto selbständiger und freier würden sie in ihrem eigenen Urteil.

 

Freiheit bedeute auch Verantwortung dafür, wie man mit ihr umgeht und wie man mit ihr umgehen lässt, sagte Fuchsberger-Zirbs. In den letzten Woche habe sie den Eindruck gewonnen, Freiheit sei das, was dem Einzelnen gerade angenehm ist, etwa nicht durch einen Mund-Nasen-Schutz zu atmen, Party zu feiern, Neigungen nachzugehen, ohne auf das Wohl anderer zu achten. Freiheit erfordere vielmehr, ein stetes Bemühen und Orientieren am Wohlergehen der anderen. Freiheit des Individuums müsse auch die Freiheit der anderen sein.

 

Schulleiterin und Provinzoberin Schwester Maria-Franziska Meier schloss sich nach einem Lied der Musikerinnen und Sängerinnen aus dem ersten Jahrgang, das diese auf dem Kirchenvorplatz darboten, den Wünschen im Namen der 44 Deutsch-Ordensschwestern an, besonders von ihrer Vorgängerin Schwester Mirjam Müller. Sie wünschte den Scheidenden Gottes Segen auf ihrem Weg.   

 

                                                                                  Text und Fotos: Theresia Wildfeuer

 

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